Verspätete Abgaben kosten Geld — und in der Kanzlei vor allem Nerven, weil der Verspätungszuschlag beim Mandanten schnell als Kanzlei-Versäumnis wahrgenommen wird. Ein sauberer Fristenkalender über den gesamten Mandantenstamm ist deshalb eines der wichtigsten Steuerungsinstrumente der laufenden Betreuung.
Dieser Überblick fasst alle wichtigen Steuertermine 2026 für Selbstständige und Kleinunternehmer zusammen — von der UStVA über die Vorauszahlungen bis zu den Jahreserklärungen und den Folgen einer verspäteten Abgabe.
Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA)
Die UStVA gehört zu den häufigsten Pflichten. Je nach Vorjahres-Umsatzsteuerlast wird monatlich oder vierteljährlich gemeldet.
Monatliche Abgabe (Vorjahres-USt > 7.500 €)
| Zeitraum | Abgabefrist | Mit Dauerfristverlängerung |
|---|---|---|
| Januar | 10. Februar | 10. März |
| Februar | 10. März | 10. April |
| März | 10. April | 12. Mai |
| April | 11. Mai | 10. Juni |
| Mai | 10. Juni | 10. Juli |
| Juni | 10. Juli | 10. August |
| Juli | 10. August | 10. September |
| August | 10. September | 12. Oktober |
| September | 12. Oktober | 10. November |
| Oktober | 10. November | 10. Dezember |
| November | 10. Dezember | 11. Januar 2027 |
| Dezember | 11. Januar 2027 | 10. Februar 2027 |
Vierteljährliche Abgabe (Vorjahres-USt 1.000 – 7.500 €)
| Quartal | Abgabefrist | Mit Dauerfristverlängerung |
|---|---|---|
| Q1 (Jan–Mär) | 10. April | 12. Mai |
| Q2 (Apr–Jun) | 10. Juli | 10. August |
| Q3 (Jul–Sep) | 12. Oktober | 10. November |
| Q4 (Okt–Dez) | 11. Januar 2027 | 10. Februar 2027 |
Details zu Berechnung und Abgabe finden sich im Guide zur Umsatzsteuervoranmeldung.
Einkommensteuer-Vorauszahlungen
Die Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer werden vierteljährlich fällig. Die Höhe setzt das Finanzamt auf Basis des letzten Steuerbescheids fest; bei stark schwankenden Einkünften lässt sich eine Anpassung beantragen.
| Termin | Fälligkeitsdatum 2026 |
|---|---|
| 1. Quartal | 10. März 2026 |
| 2. Quartal | 10. Juni 2026 |
| 3. Quartal | 10. September 2026 |
| 4. Quartal | 10. Dezember 2026 |
Gewerbesteuer-Vorauszahlungen
Gewerbetreibende zahlen vierteljährlich Gewerbesteuer-Vorauszahlungen. Freiberufler sind davon befreit; der Freibetrag liegt bei 24.500 €.
- 15. Februar 2026
- 15. Mai 2026
- 15. August 2026
- 15. November 2026
Lohnsteuer-Anmeldung
Beschäftigt ein Mandant Mitarbeiter, ist die einbehaltene Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats anzumelden und abzuführen. Bei geringer Lohnsteuersumme (unter 5.000 € pro Jahr) genügt eine quartalsweise Anmeldung.
Jahresabgabefristen
| Erklärung | Ohne Steuerberater | Mit Steuerberater |
|---|---|---|
| Einkommensteuererklärung 2025 | 31. Juli 2026 | 28. Februar 2027 |
| Umsatzsteuererklärung 2025 | 31. Juli 2026 | 28. Februar 2027 |
| Gewerbesteuererklärung 2025 | 31. Juli 2026 | 28. Februar 2027 |
| EÜR 2025 | 31. Juli 2026 | 28. Februar 2027 |
Der verlängerte Termin bis Ende Februar 2027 ist einer der handfesten Vorteile, den die Kanzlei ihren Mandanten bietet.
Schonfrist und Wochenende: Wichtige Ausnahmen
Fällt ein Steuertermin auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sich die Frist auf den nächsten Werktag. Zusätzlich gibt es eine 3-tägige Schonfrist für Zahlungen — nicht aber für die Abgabe von Erklärungen.
Beispiel: UStVA-Frist 10. Juli fällt auf einen Samstag → Abgabe bis Montag, 12. Juli. Zahlung: bis Mittwoch, 13. Juli (Schonfrist).
Was passiert bei verspäteter Abgabe?
Verspätete Erklärungen und Meldungen werden teuer:
| Konsequenz | Höhe | Ab wann |
|---|---|---|
| Verspätungszuschlag | 0,25 % der festgesetzten Steuer/Monat (mind. 25 €/Monat) | Nach 14 Monaten automatisch |
| Säumniszuschlag | 1 % der Steuer pro angefangenem Monat | Ab dem 4. Tag nach Fälligkeit |
| Zwangsgeld | Bis zu 25.000 € | Nach Androhung |
| Schätzung | Meist zu Ungunsten des Mandanten | Bei dauerhafter Nichtabgabe |
Bei einer Steuerschuld von 5.000 € kostet allein der Säumniszuschlag 50 €/Monat — vermeidbar durch rechtzeitige Zahlung oder Fristverlängerung.
Dauerfristverlängerung: einen Monat mehr Zeit
Für die UStVA lässt sich eine Dauerfristverlängerung um einen Monat beantragen. Der Antrag wird einmalig über ELSTER gestellt und gilt dauerhaft. Bei monatlicher Abgabe ist eine Sondervorauszahlung von 1/11 der Vorjahres-Zahllast zu leisten; bei quartalsweiser Abgabe entfällt sie.
Elektronische Übermittlung: ELSTER ist Pflicht
Alle Steuererklärungen, UStVAs und Lohnsteuer-Anmeldungen müssen seit Jahren elektronisch über ELSTER eingereicht werden. Papierformulare werden nicht mehr akzeptiert.
Besonderheiten für Existenzgründer
Im Gründungsjahr gelten Sonderregeln, auf die die Kanzlei neue Mandate früh hinweisen sollte:
- UStVA monatlich Pflicht: In den ersten zwei Kalenderjahren ist die UStVA monatlich einzureichen — unabhängig von der Zahllast
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: innerhalb eines Monats nach Gründung ans Finanzamt
- Gewerbeanmeldung: für Gewerbetreibende sofort bei Gründung erforderlich
- Vorauszahlungen: das Finanzamt setzt oft verzögert Vorauszahlungen fest — meist kommt nach 12–18 Monaten die erste Nachzahlung
Fazit: Fristen im Griff behalten
Die wichtigste Regel für die Betreuung: den Mandanten nie vom Finanzamt überraschen lassen. Ein zentraler Fristenkalender, Erinnerungen einige Tage vor jeder Frist und eine strukturierte Quartalsplanung machen die Steuerverwaltung über den gesamten Mandantenstamm zum Routinevorgang.
Wer die vorbereitende Buchhaltung rechtzeitig fertig hat und die Meldungen ein paar Tage vor der Frist absetzt, vermeidet Verspätungs- und Säumniszuschläge — und damit die unangenehmsten Gespräche im Mandat.