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E-Rechnung15. Februar 202611 Min. Lesezeit

ZUGFeRD vs. XRechnung – Welches E-Rechnungsformat ist das Richtige?

Wer sich mit der E-Rechnungspflicht ab 2025 beschäftigt, stolpert unweigerlich über zwei Begriffe: ZUGFeRD und XRechnung. Beide sind gesetzeskonforme E-Rechnungsformate — aber sie funktionieren grundlegend anders. Für die Kanzlei ist die Unterscheidung praxisrelevant: Sie bestimmt, welches Format ein Mandant für seine Kundengruppe braucht und wie eingehende Rechnungen zu verarbeiten und zu archivieren sind.

Der große Vergleich: ZUGFeRD vs. XRechnung

KriteriumZUGFeRD 2.0XRechnung
FormatHybrid: PDF + eingebettete XMLReines XML (kein PDF)
Lesbarkeit für MenschenPDF ist sofort lesbarXML nur mit Software lesbar
MaschinenlesbarkeitJa (über eingebettete XML)Ja (native XML)
SyntaxCII (Cross Industry Invoice)CII + UBL (Universal Business Language)
ImplementierungskostenGering (einfache Integration)Höher (IT-Infrastruktur nötig)
ZielgruppeKMU, Selbstständige, PrivatwirtschaftGroße Unternehmen, öff. Sektor
Öffentliche AuftraggeberNur wenn ZUGFeRD XRechnung-konformPflichtformat

ZUGFeRD 2.0 – Das Hybridformat

ZUGFeRD steht für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland". Es ist ein Hybridformat, das zwei Ebenen kombiniert:

  • Sichtbare PDF-Ebene: Die Rechnung sieht aus wie jede andere PDF-Rechnung — mit Logo, Layout und allen Positionen. Sie lässt sich normal lesen, drucken und weiterleiten.
  • Maschinenlesbare XML-Ebene: In das PDF eingebettet ist ein XML-Datensatz mit allen strukturierten Rechnungsdaten (Beträge, Steuersätze, Kontonummern etc.).

Der Vorteil: Empfänger, die E-Rechnungen verarbeiten können, lesen die XML-Daten automatisch aus. Alle anderen sehen einfach eine gewöhnliche PDF.

Vorteile von ZUGFeRD

  • Dual-Use: Empfänger ohne E-Rechnungs-Software können das PDF weiterhin lesen
  • Einfache Integration: kein Umbau der IT-Infrastruktur nötig
  • Kostengünstig: ideal für kleine und mittlere Unternehmen
  • Breite Akzeptanz: von den meisten Buchhaltungsprogrammen unterstützt

Nachteile von ZUGFeRD

  • Unterstützt nur CII-Syntax (weniger flexibel als XRechnung)
  • Größere Dateien durch PDF-Anteil
  • Nicht automatisch für öffentliche Auftraggeber geeignet

XRechnung – Das reine XML-Format

XRechnung ist ein reines XML-Format, das den Anforderungen der EU-Richtlinie 2014/55/EU entspricht. Es ist nicht als PDF lesbar — die Inhalte werden erst durch Software interpretiert und dargestellt. XRechnung ist Pflicht bei öffentlichen Auftraggebern (Bund, Länder, Kommunen).

Vorteile von XRechnung

  • Maximale Automatisierung: keine manuelle Dateneingabe nötig
  • Flexible Syntax: unterstützt CII und UBL
  • Pflichtformat für Rechnungen an Bund, Länder und Kommunen
  • Einheitlicher Standard: EU-weit kompatibel

Nachteile von XRechnung

  • Nicht menschenlesbar: Empfänger brauchen Software zur Anzeige
  • Höhere Implementierungskosten: Schulungen und IT-Anpassungen
  • Weniger benutzerfreundlich für kleine Unternehmen

Welches Format für welchen Mandanten?

Situation des MandantenEmpfehlung
Kunden sind PrivatwirtschaftZUGFeRD 2.0
Kunden sind öffentliche AuftraggeberXRechnung (Pflicht)
Mix aus beidemZUGFeRD Standard + XRechnung für Behörden
Unsicher / erst mal anfangenZUGFeRD 2.0 — am einfachsten

ZUGFeRD-Profile: Welches Profil passt?

ZUGFeRD 2.0 verfügt über verschiedene Profile, die sich im Umfang der XML-Daten unterscheiden:

ProfilBeschreibungEmpfehlung
MinimumNur PflichtangabenFür einfachste Rechnungen
BasicStandardangaben für BuchhaltungFür die meisten Selbstständigen
ComfortErweiterte Daten (Lieferdetails etc.)Für Handel und Logistik
ExtendedVollständige GeschäftsprozessdatenFür Großunternehmen
XRechnungZUGFeRD im XRechnung-kompatiblen ModusFür öffentliche Auftraggeber

Technische Details: CII vs. UBL

  • CII (Cross Industry Invoice): UN/CEFACT-Standard, wird von ZUGFeRD und XRechnung unterstützt
  • UBL (Universal Business Language): OASIS-Standard, wird nur von XRechnung unterstützt

Für die meisten Mandanten ist dieser Unterschied nicht relevant — die Buchhaltungssoftware wählt automatisch das richtige Format.

E-Rechnungspflicht ab 2025: Der Fahrplan

Seit dem 01.01.2025 müssen alle Unternehmen im B2B-Bereich in der Lage sein, E-Rechnungen zu empfangen. Der Versand wird stufenweise verpflichtend:

Ab wannPflicht
01.01.2025Alle Unternehmen müssen E-Rechnungen empfangen können
01.01.2027Unternehmen mit über 800.000 € Umsatz müssen E-Rechnungen versenden
01.01.2028Alle Unternehmen müssen E-Rechnungen versenden

Auch Kleinunternehmer sind von der Empfangspflicht betroffen — ein Punkt, der in der Beratung oft übersehen wird.

Archivierung von E-Rechnungen

E-Rechnungen unterliegen den gleichen Aufbewahrungspflichten wie Papierbelege — 10 Jahre. Dabei gilt:

  • Originalformat bewahren: Eine ZUGFeRD-PDF muss als PDF mit XML-Daten archiviert werden — ein Nachdruck auf Papier genügt nicht
  • XRechnung als XML: Die XML-Datei muss im Original gespeichert werden, eine visuelle Darstellung allein reicht nicht
  • GoBD-konforme Archivierung: unveränderbar, vollständig, maschinell auswertbar, zeitnah

Validierung: E-Rechnungen prüfen

Vor dem Versand sollte eine E-Rechnung validiert werden:

  • ZUGFeRD-Validator: Das Forum elektronische Rechnung bietet einen kostenlosen Online-Validator
  • XRechnung-Prüftool: Die KoSIT bietet ein kostenfreies Tool zur Validierung von XRechnungen (Schematron-Prüfung)

Fazit: ZUGFeRD für die Privatwirtschaft, XRechnung für Behörden

Die Entscheidung ist einfacher als gedacht:

  • ZUGFeRD 2.0 — für die große Mehrheit der Mandanten das richtige Format
  • XRechnung — nur, wenn der Kunde es explizit verlangt (Behörden)
  • Die E-Rechnungspflicht kommt stufenweise — es lohnt sich, Mandanten frühzeitig umzustellen

Wer Mandanten heute schon auf ZUGFeRD für B2B-Kunden umstellt, rüstet sie für die kommenden Pflichten und schafft zugleich sauber strukturierte Daten für die laufende Buchhaltung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ZUGFeRD und XRechnung?

ZUGFeRD ist ein hybrides Format: Es kombiniert eine sichtbare PDF-Rechnung mit einem maschinenlesbaren XML-Anhang. XRechnung ist reines XML ohne PDF — ausschließlich maschinenlesbar. Beide erfüllen die EU-Norm EN 16931.

Welches E-Rechnungsformat sollten Mandanten nutzen?

Für den B2B-Bereich ist ZUGFeRD meist die richtige Wahl: kompatibel mit allen Empfängern (PDF + XML), visuell prüfbar und einfach zu integrieren. XRechnung ist vor allem für öffentliche Auftraggeber relevant und dort Pflicht.

Sind auch Kleinunternehmer von der E-Rechnungspflicht betroffen?

Ja. Seit dem 01.01.2025 müssen alle B2B-Unternehmen — auch Kleinunternehmer — E-Rechnungen empfangen können. Die Versandpflicht greift stufenweise ab 2027 bzw. 2028.

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